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Call for papers
16. bis 19.03.2017
Stuttgart-Hohenheim
 
Dreiländertagung 2017
15. bis 18. Juni 2017
Berlin, Harnackhaus
 
 
Call for papers – Frühjahrstagung 16.-19.03.2017 in Stuttgart-Hohenheim

Wo gehen wir hin? Immer nach Hause (Novalis)

Heimat und Fremde zwischen Sehnsucht und Angst

Als Individuen wie auch als Kollektiv sind wir derzeit mit großen Wanderungsbewegungen und gesellschaftlichen Verwerfungen konfrontiert, die uns auf vielfältige Weise betreffen und beschäftigen.

Die Begriffe Heimat und Fremde eröffnen ein Spannungsfeld zwischen Eigenem und Unbekanntem, Neuem und Vertrautem, Sicherem und Bedrohlichem, Offenem und Geschlossenem, zwischen Vertrauen und Misstrauen, Stillstand und Aufbruch, Ankommen und Weiterziehen, Willkommen-Heißen und Abweisen ....

Heimat und Fremde berühren zentrale Themen des Menschseins. Sowohl die Heimat als auch die Fremde können Sehnsüchte und Ängste auslösen, und dies sowohl gesellschaftlich-kollektiv als auch persönlich-individuell, sowohl in Bezug auf das eigene Selbst als auch in Bezug auf den Anderen. Denn bei genauerem Hinsehen entpuppen sich Heimat und Fremde als in sich selbst polare Begriffe.
 
Folgende Aspekte erscheinen uns relevant, um dieses spannungsvolle und aktuelle Thema näher zu betrachten:
 
  • Entwicklungspsychologische Aspekte
    Von frühen Formen der Verständigung (nonverbal, Affektausdruck) und Verbundenheit über Spracherwerb zur Entwicklung von Identität; Beheimatet-Sein oder Fremd-Sein im eigenen Körper (Körper und Identität); Sprache – Sprachentwicklung als Verbindendes und Trennendes

  • Politisch-soziologische und religiöse-transzendente Aspekte
    Quarternio von Heimat und Fremde in uns und im Außen Entwicklungs- und Todesaspekte Globalisierung – Völkerwanderung Heimat und Fremde im eigenen Land, im eigenen Institut, in der DGAP

  • Klinische Aspekte
    Der Flüchtling als Patient (Fallvignette/Erfahrungen) Setting und Rahmen Therapeutische Haltung – Besonderheiten in Übertragung/Gegenübertragung archetypische Ebene

  • Kulturelle Aspekte in Bewegung, Tanz, Musik, Kunst, Sprache, usw.
    Rhythmus und Bewegung als kollektive Ebene der Verständigung aber auch der Fremdheit; Archetypen in der Musik
 
Neben der rationalen Auseinandersetzung mit dem Thema soll dem Erleben von Heimat und Fremde in der je eigenen Polarität auf unterschiedliche Weise Raum gegeben werden z.B. durch Angebote aus dem Bereich der Musik und Bewegung, des Tanzes und Atems u. a. m.
Lassen Sie sich inspirieren! Wir freuen uns auf vielfältige Angebote für Vorträge, Seminare oder Workshops. Bitte schicken Sie diese bis 31.03.2016 an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Die Tagungsvorbereitungsgruppe

Annette Berthold-Brecht, Dorothea Groschwitz, Cornelia Kapr, Franziska Lang, Horst Obleser, Konstantin Rößler, Martin Roser, Elisabeth Schörry-Volk, Gisela Storkebaum
 

 
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Dreiländertagung 2017
Berlin, Harnack-Haus
15. bis 18. Juni 2017

Gegen-Sätze / Gegen-Teile

Paradoxien, Polaritäten und Gegensatzspannung sind der Analytischen Psychologie ebenso eingeschrieben wie ihre Gegen-Teile, also Ganzheitsvorstellungen und -sehnsüchte wie Syzygie, Coincidentia oppositorum, Coniunctio und Einheitswirklichkeit. Dabei ist die Gegensatzspannung ebenso eine archetypische Gegebenheit wie ihr eigenes Gegenteil, die Ganzheit.

Der Titel der 6. Dreiländertagung „Gegen-Sätze/Gegen-Teile“ versucht, diese Spannung auf eigene Weise zu halten, nämlich entsprechend des Satzes von Heraklit: „wie das Auseinandergehende mit sich selbst zusammengeht: gegenspännige Zusammenfügung wie von Bogen und Leier“. Darauf bezieht sich auch Jung: „(...) die Gegenüberstellung der Positionen (ist) eine energiegeladenen Spannung, die Lebendiges erzeugt, ein Drittes, das keine logische Totgeburt ist, entsprechend dem Grundsatz „tertium non datur“, sondern eine Fortbewegung aus der Suspension zwischen Gegensätzen, eine lebendige Geburt, die eine neue Stufe des Seins, eine neue Situation, herbeiführt. Die transzendente Funktion offenbart sich als eine Eigenschaft angenäherter Gegensätze. Solange diese einander ferngehalten werden – natürlich zum Zwecke der Konfliktvermeidung – funktionieren sie nicht und bleiben toter Stillstand.“ (GW8, §189)

Das Thema soll unter drei Aspekten betrachtet werden:
  
1. Klinische Aspekte
 
Prozesse von Spaltung, Dissoziation, Differenzierung, Integration. Falldarstellungen unter dem Gesichtspunkt der Gegensatzspannung im Individuum und in der Gruppe, in Führung und Gruppenprozessen sowie in der Paardynamik. Intersubjektivität zwischen Alterität und Empathie (neurowissenschaftliche Erkenntnisse, z.B. über Spiegelneurone, affektive Resonanz und leibliche Kommunikation, Embodiment-Theorie).
  
2. Anthropologische und philosophische Aspekte
 
Mythologische und künstlerische Darstellung, Dualismen (Kultur/Natur, Leib/Seele) und Monismen, Philosophie des Werdens von Heraklit über Hegel bis zur Phänomenologie, Weltspaltung seit Demokrit über Descartes bis zu „modernen“ Reduktionismen. Naturwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Weltbilder. Die Seele als Teil der Natur/ die Seele als das "Andere" der Natur.
  
3. Die Analytische Psychologie zwischen Heilslehre, Anthropologie und Psychotherapieverfahren
 
Diese inhärente Spannung wird oft projiziert bzw. personalisiert und führt dann zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den "Denkern" und den "Träumern", dabei müsste sie jeder für und in sich halten können, gemäß Jungs Diktum, dass „die Fähigkeit zum inneren Dialog (...) ein Maßstab für äußere Objektivität“ (GW8, § 187) sei. Angesichts von Spaltungsdynamiken innerhalb jungianischer Institute und Fachgesellschaften sind hier psychodynamische Betrachtungen zu dieser Thematik ausdrücklich erwünscht.
 
Schließlich wäre es den Versuch wert, gerade an diesem Ort, der als Tagungsstätte der Max-Plank-Gesellschaft seine eigene Atmosphäre hat, über das Komplementaritätsprinzip und den Begriff der Synchronizität nachzudenken. Dies in der Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen ohne wohlfeile Popularisierung, damit die Spannung nicht esoterisch vereinfacht in sich zusammenfällt.

Das Leidvolle der Gegensatzspannung soll dabei nicht verleugnet werden, denn wie Heraklit über „bios“, in der Doppelbedeutung von „Bogen“ und „Leben“, sagt: „Der Name des Bogens ist Leben, sein Tun Tod.“
  
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir möchten Sie herzlich einladen, an dieser Tagung mitzuwirken. Ihre Abstracts (maximal 500 Worte) für Vorträge (Dauer 45 Minuten), Workshops (90 Minuten) und Poster schicken Sie bitte bis zum 1.5.2016 an die Geschäftsstelle der DGAP: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ,
c/o Bettina Lankheit-Feilhuber, Lessingstr. 22/1, 69502 Hemsbach, Tel. 0049-6201-492440, Fax 0049-6201-492441,
 
Im Namen des Vorbereitungsteams
Dr. Ruth Sandmann-Strupp
1. Vorsitzende der DGAP